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Minecraft als Werkzeug der Medienpädagogik

Minecraft hatte bereits vor seiner offiziellen Veröffentlichung im Herbst 2010 einen so großen Erfolg, wie man dies sonst nur bei großen Blockbuster der digitalen Spiele kennt.

Es ist ein grafisch simpel gestaltetes Spiel in einer Welt aus Klötzchen. Das Besondere hierbei ist, dass man diese Klötzchen an der einen Stelle abbauen kann, um sie an einer anderen wieder aufzubauen. Dieses einfache Baukasten-Prinzip, das schon bei LEGO begeisterte, wurde im Spiel mit einigen Finessen, wie Handwerkssystemen, nachgerüstet und zieht so Tausende von Spielern jeglichen Alters in seinen Bann.

Das einfache und sogleich fesselnde „Lego-Prinzip“ in Verbindung mit den geringen Systemanforderungen und der kreativen Freiheit, die das Spiel zulässt, machen Minecraft zu einem exzellenten Mittel der praktischen Medienpädagogik.

Um Minecraft spielen zu können braucht man lediglich einen PC, der die Mindestsystemanforderungen von Minecraft erfüllt, sowie die Spielesoftware selbst. Die meistens Rechner, die an Schulen zur Verfügung stehen, reichen aus, um Minecraft zu nutzen. Eine Lizenz für Minecraft kostet 19,95€ und ist über minecraft.net zu erwerben. Eine solche Lizenz ist immer an eine E-Mail-Adresse gebunden. Bis Anfang 2016 gab es eine speziell für Schulen ausgelegte Educraft-Version (educraft.org) die den Einsatz im Unterricht massiv vereinfachte und daher sehr populär unter Lehrenden wurde. Nachdem Microsoft 2015 Minecraft, bzw. den Besitzer Mojang, gekauft hat, war ungewiss, wie Minecraft-Edu weiterläuft. Ende 2016 meldete sich Microsoft dann mit https://education.minecraft.net/ zurück und liegt preislich bei 5$ pro Nutzer. Volumenlizenzen für Schulen sind dabei möglich.

Für die meisten Projekte muss Minecraft jedoch nicht angeschafft werden, da mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit einige Schülerinnen und Schüler (SuS) selbst Minecraftlizenzen besitzen und so der Zugang zur Software gewährleistet werden kann. Für (fast) alle Projekte können auch die mobilen oder Konsolen-Versionen von Minecraft genutzt werden. „Bring Your Own Device“ (BYOD) ist hierbei ein nützliches Schlagwort. Der Einsatz von Hardware der SuS sollte jedoch mit der EDV und/oder Schulleitung abgesprochen sein, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Minecraft ist, wie LEGO, ein Spielzeug das weit über eine Altersgruppe hinaus begeistern kann. Minecraft kann daher als Werkzeug vom Kindesalter bis in die Erwachsenenbildung eingesetzt werden. Die feinmotorische Koordination scheint bei jüngeren Kindern die größte Hürde zu sein, bei "älteren" Teilnehmenden die Orientierung im dreidimensionalen Raum, sowie die Steuerung mit Maus und Tastatur. Projekte mit Jugendlichen, die mit Minecraft bereits aus der Freizeit vertraut sind, erfordern vom Durchzuführenden quasi kein Fachwissen zur Software. Methodisch werden hier also Flipped-Classroom oder Peer-to-Peer Ansätze genutzt. Wer hingegen mit älteren Teilnehmern (18+) und Minecraft arbeiten möchte, sollte sich mit der Software bereits vertraut gemacht haben und eine längere Einarbeitungsphase einplanen. Je größer die Distanz der Teilnehmer zur digitalen Spielkultur ist, desto länger sollte die erste Phase dauern.

Technische Voraussetzungen:

Hardware Anforderungen: Diese können immer auf der Herstellerseite abgerufen werden (und zwar hier). Den Angaben Mojangs ist eigentlich nur hinzuzufügen, dass Minecraft–Welten sehr schnell sehr groß (Speicherplatz) werden können. Dies geschieht vor allem bei einer kooperativen Servernutzung mit mehreren Spielern.

Server: Für kleinere Minecraft-Vorhaben wird kein extra Server benötigt. Das Spiel ermöglicht jeder spielenden Person, seine aktuelle Welt jederzeit "als LAN Welt freizugeben". Dann können sich Andere im selben Netzwerk in die Welt einloggen. Diese wird dabei immer auf dem Host-Rechner gespeichert, also bei demjenigen, der die Welt freigegeben hat.

  • Details dazu finden sich in der Material-Anlage „Server“!

Erstkontakt mit dreidimensionalen Spielwelten:

Sollte im Zuge der Exploration Minecrafts auch der Erstkontakt mit dreidimensionalen Spielewelten stattfinden, dann ist Folgendes zu beachten: Nicht wenige Menschen, insbesondere wenn man wenig bis gar keinen Kontakt mit dem Medium hatte, reagieren mit Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen. Wie stark die Symptome auftreten, ist sehr unterschiedlich. Der Auslöser ist jedoch immer der Selbige: Motion Sickness. Auch bekannt als Gaming Sickness, Simulator Sickness, Seekrankheit oder ganz allgemein Reisekrankheit.
Vereinfacht gesagt mag es der Körper nicht, wenn Bewegungen nicht mit dem zusammenpassen, was der Gleichgewichtssinn suggeriert. In vielen Fällen scheint sich das Gehirn jedoch an dreidimensionale Spielewelten gewöhnen zu können. Wichtigster Hinweis ist hierbei das „Field of View“, das Sichtfeld. Die Mehrheit aller PC Spiele aus Ego-Perspektive hat die Möglichkeit einzustellen, wie „breit“ der Winkel ist, durch den die Welt auf dem Monitor angezeigt wird. In einem Beispiel zum Veranschaulichen: Bei einem FoV (Field of View) von 180° würde also ein halber Kreis sichtbar sein. Was direkt links vom Betrachtenden steht, wäre am linken Monitorrand zu sehen. Dasselbe gilt für die rechte Seite. Durch den sehr großen Winkel wäre die Darstellung auf dem Monitor durch starke Verzerrungen begleitet, ähnlich einer starken Fischaugenkamera. Diese ist, außer in Ausnahmefällen, nicht zum Spielen geeignet.
Um Motion Sickness zu meiden sollte das FoV dem Monitor und der Sitzposition angepasst werden, um ein möglich natürliches Sichtfeld zu emulieren. Faustregel; Je mehr das Spielbild vom eigenen Sichtfeld ausfüllt, je höher sollte der FoV sein. In der Regel kann man von einem Winkel zwischen 90° und 100° ausgehen.
Selbst bei Spielenden, die nicht unter akuter Motion Sickness leiden, reduziert ein neuer FoV oft massiv Kopfschmerzen und andere Begleiterscheinungen.

Bewegen in der Minecraft-Welt:

In den aktuelleren Minecraft Versionen ist der Einstieg deutlich simpler, da das Spiel viel erklärt.

Die Basics sind:
Bewegt wird sich durch die Tasten WASD.
W: Vorwärts, A: Seitlich Links „Strafen“, S: Rückwärts, D: Seitlich Rechts „Strafen“

Drehen und Blickrichtung wird über die Mausbewegung gesteuert.
Mit der linken Maustaste baut man Blöcke ab.
Mit der rechten Maustaste interagiert man mit der Welt, benutzt Türen oder platziert Blöcke.

Springen kann man mit der Leertaste/Space.
Das Inventar öffnet der Spieler über die Taste E.
Alle Tasten und Steuerungsbefehle können im Menü selbstständig geändert werden.

Für die ersten Explorationen in Minecrafts Welt wird der Kreativ-Modus bzw. eine kreative Spielwelt empfohlen!

Genauere Details zur Steuerung, alle Spielmodi von Minecraft erklärt und die Grundlagen zum Erstellen einer Spielwelt finden sich in der Material-Anlage „Erste Schritte“!

Details
Methoden-Autor*in

Stephan Schölzel

Eigentlich wollte Stephan Schölzel Informatiker oder Grafiker werden, nach dem Zivildienst fand er sich allerdings im Studium der Sozialen Arbeit wieder. Dann lernte er das Feld der Medienpädagogik kennen und lernte, welche Potentiale in digitalen Spielen stecken können. Auch lernte er, dass es in diesem jungen Arbeitsfeld, das vor allem von “Risikoabwehr” dominiert wird, viele Chancen und viel zu machen gibt. Mit diesem Ziel im Kopf fand er seinen Weg zum “infocafe” der Stadt Neu-Isenburg. Eine der wenigen festen medienpädagogischen Einrichtungen mit einem Fokus in der Kinder- und Jugendarbeit. Seit 2010 arbeitet er dort sehr erfolgreich und befindet sich inzwischen in der Weiterbildung zum Master im Feld der Game Studies.

Kontakt: info@stschoelzel.de

Webseite: http://stschoelzel.de

Methodenlizenz

Creative Commons

Der/die Autor*in hat diese Methode unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlich. Das bedeutet, dass Sie die Methode mit wenigen Einschränkungen nutzen und ggf. weiterveröffenlichen dürfen.

Die Lizenzbedingungen, unter denen diese Methode und zugehörige Materialien genutzt werden dürfen, stehen online zur Einsicht bereit.

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Materialien

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Informationen zur Funktion und Verwendung von Minecraft Servern (Intern/Extern)

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Steuerung, Spielmodi und die Minecraft Welt erklärt

Dateigröße: 0,2 MB

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Der Debug Screen (F3) - Funktion und Nutzen

Dateigröße: 2,2 MB

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Der Debug Screen (F3) - Funktion und Nutzen

Dateigröße: 0,7 MB

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Erste Schritte - Steuerung, Spielmodi und die Minecraft Welt erklärt

Dateigröße: 0,3 MB

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Informationen zur Funktion und Verwendung von Minecraft Servern (Intern/Extern)

Dateigröße: 0,3 MB

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